Faszien sind in Therapie und Training allgegenwärtig. Doch was ist wissenschaftlich wirklich gesichert?
Was sind Faszien?
Es gibt keine einheitliche Definition des Begriffs „Faszie“. Je nach Fachgebiet werden unterschiedliche Bindegewebsstrukturen dazugerechnet. Das erschwert Forschung und klare Aussagen.
Was können Faszien?
Gut belegt ist, dass Faszien:
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Muskeln umhüllen und Kräfte übertragen
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Gefäße und Nerven schützen
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die Muskelpumpe unterstützen
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Nozizeptoren enthalten (Schmerzrelevanz)
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an Propriozeption beteiligt sind
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entzündliche Prozesse zeigen können
Myofasziale Ketten – Fakt oder Modell?
Es gibt Hinweise auf myofasziale Ketten, jedoch:
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starke Evidenz gibt es nur für einzelne Linien
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es gibt keine einheitliche Bestätigung aller bekannten Kettenmodelle
Übertragen Faszien Spannung im ganzen Körper?
Ja, Faszien können Spannung über Regionen hinweg weiterleiten.
Für nicht-lokale Beweglichkeits- oder Schmerzveränderungen sind jedoch neuronale und sensorische Effekte wahrscheinlicher als rein mechanische Erklärungen.
Wie wirkt Faszientherapie?
Mechanische Erklärungen (z. B. Verklebungen lösen, Thixotropie) gelten derzeit als wissenschaftlich nicht haltbar.
Plausibler sind neurophysiologische Effekte, etwa:
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veränderte Schmerzverarbeitung
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erhöhte Dehntoleranz
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reduzierte sympathische Aktivierung
Auch hier gilt: Die Evidenz ist noch begrenzt.
Fazit
Faszien sind funktionell wichtiges Gewebe –
aber viele populäre Erklärungen zur Faszientherapie sind vereinfachend oder nicht ausreichend belegt.
Ein kritischer, evidenzorientierter Umgang ist entscheidend.